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Freund von mir triezt mich ständig

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Freund von mir triezt mich ständig

Beitragvon DesdiNova » Mi 20. Mai 2020, 22:37

Zuletzt hatte ich das Glück, ein paar Urlaubstage verbringen zu dürfen.

Ursprünglich war ein "richtiger" Urlaub geplant, wegen der Krise musste ich diesen aber stornieren. So kam es, dass ich dann kurzentschlossen meine alte WG besuchte, in der Stadt, wo ich vor einigen Jahren studiert hatte.

So konnte ich für ein paar Tage bei einem ehemaligen Mitbewohner privat unterkommen (=auf der Couch pennen ;)), der auch ein sehr guter Freund von mir ist. Seitdem ich aus der Stadt weggezogen bin, schaue ich da ca. alle 1,5 Jahre mal vorbei. Wir zocken aber auch regelmäßig online zusammen und unterhalten uns dann über TeamSpeak. Das ist im Grunde so wie telefonieren, für den Fall, dass jemand mit dem Begriff nichts anfangen kann.

Jetzt habe ich bei diesem Besuch im Grunde wieder eine super Zeit gehabt; wir haben viel unternommen und zusammen gelacht, eigentlich alles so wie ich mir das vorgestellt habe.

Nur hat er mich diesmal ziemlich getriezt, bzw. gepiesackt und ich frage mich immer noch, wie ich damit umgehen soll.

Er ist mit Ende dreißig ein paar Jahre älter als ich und arbeitet in der Pflege. Ich habe schon oft mitbekommen, wie er und manche seiner längeren Freunde regelrecht miteinander toben. Das sind größtenteils wirklich so kindische Sachen, wie sich auf die Schulter schlagen oder "Spaßkämpfchen".
Bei manch anderen wiederum verhält er sich ganz normal.

Ich kannte diese Seite von ihm also schon, und hin und wieder hatte er sich mit mir auch mal seine Späße erlaubt. Im Rahmen war das auch immer in Ordnung und ich bin auch kein Kind von Traurigkeit.
Diesmal ist mir das aber echt zu weit gegangen und hat den Aufenthalt für mich auf Dauer unangenehm, weil wenig entspannend gemacht, was ja eigentlich der Ziel eines Urlaubs ist.

Konkret hat er mich immer mal wieder (leicht) in die Seite geboxt oder auch mal richtig kräftig auf die Schulter, wie das unter Jugendlichen zumindest zu meiner Zeit verbreitet war. Da er das überraschend immer wieder gemacht hat, war ich dann irgendwann unterbewusst in einer ständigen hab-Acht-Stellung und bin dann oft zusammengezuckt, wenn er in meine Nähe gekommen ist.

Jetzt bin ich einen guten Kopf größer als er und ihm körperlich mindestens ebenbürtig. Natürlich lasse ich mir das auf Dauer auch nicht gefallen. Also habe ich mich dann revanchiert und ihm auch mal ziemlich kräftig auf die Schulter geschlagen, so feste, dass es einen hörbaren Punch-Sound ergeben hat und er etwas zur Seite geflogen ist (war beim Spazierengehen in der City).

Ich sagte, damit sind wir erstmal quitt. Es dauerte aber nicht lange, und er fing wieder an :?

Am letzten Abend waren wir noch losgezogen und haben es uns im Park gemütlich gemacht. Wir haben Musik angemacht und ich wollte mich eigentlich mit ihm unterhalten bzw. die Musik genießen. Da fängt er an mich mit irgendwelchen Grashalmen zu ärgern.

Es ist echt nicht so, dass ich keinen Spaß verstehe! Ich habe ihn dann mit den Grashalmen auch mal zurückgeärgert aber auch da hat einfach nicht damit aufgehört, bis zu einem Punkt, wo ich innerlich kurz davor war, ihm meine körperliche Überlegenheit etwas eingehender zu demonstrieren. Ich verabscheue Gewalt aber und habe mich immer weiter von ihm weggesetzt. Er dann immer hinterher, bis ich irgendwann aufgestanden bin und mich dann im Stehen mit ihm unterhalten habe. Da hat er dann tatsächlich auch aufgehört.

Mir hat sein Verhalten den Urlaub etwas getrübt und auch schlechte Erinnerungen an Gewalterfahrungen zurückgebracht, von denen er teilweise auch weiß. So ist damals eine Ex-Freundin mir gegenüber gewalttätig geworden; sie hat mir bei mehreren Gelegenheiten unvermittelt und mit voller Kraft mit der Faust ins Gesicht geschlagen und stand einmal auch mit einem großen Küchenmesser in der Hand vor mir. Ich habe mich schlussendlich wegen ihrer Gewalttätigkeiten von ihr trennen müssen.

Diesen Thread habe ich zum Einen eröffnet, um ein Ventil zu haben, so dass ich mir mal Luft machen kann. Zum Anderen würde ich mich über jeden Rat freuen, wie ich mit der Situation umgehen könnte.

Sehen werde ich den Freund in nächster Zeit nicht mehr, aber ich würde das schon echt schade finden, wenn die Freundschaft an so etwas scheitert. Andererseits finde ich sein Verhalten in dem Maße echt nicht hinnehmbar und mache mir Gedanken, ob er nun immer so sein wird oder das sogar noch schlimmer wird.

Danke schon mal an alle, die sich das durchgelesen habe, ich bin kein Mann der wenigen Worte :roll:

LG DesdiNova
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Re: Freund von mir triezt mich ständig

Beitragvon LGBuddha » Do 21. Mai 2020, 12:52

Hallo DesdiNova,

* hab grad nochmal Deine Vorstellung gelesen und schieb unten noch was ein.

ein kleine Einleitung:

grundsätzlich gibt es zwei Wege, die eigene Hochsensibilität zu begreifen und zu erforschen.
Ich habe das Belesen gewählt. Durch die Menge an Literatur und unterschiedlichen Autoren
entsteht ein unschätzbarer Wert an Wissen. Das kann ich mit Arztbesuchen nicht kompensieren,
auch nicht in der kürze der Zeit - Scanner haben keine Zeit ;-)

Ich hab mich zunächst viel mit Ängsten, Stress & Burnout und dem Gehirn beschäftigt,
bevor ich über die Scanner-Persönlichkeit zum Thema Hochsensibilität kam.
Meine persönliche Erfahrung: es gibt sehr gute Bücher und Autoren, nur eine deutsche
Autorin empfehle ich nicht mehr, da sie sich mit fremden Federn schmückt.
Ich verweise lieber auf die deutsche Übersetzung des Originals, das zudem noch mit einem
höheren Mehrwert aufwartet.

Zu Deiner Problematik:
haftungsrechtlicher Hinweis: ich bin kein Arzt oder Psychologe - ein Besuch kann helfen.

Dein Freund ist nicht das wahre Problem. Eine Analogie (hier ein bildlicher Vergleich):
stell Dir zwei Länder vor, die eine gemeinsame Grenze haben. Es gibt keinen Zaun - keine
Kontrollen, nur einen grünen Grenzstreifen mit mannshohen Pfosten hier und da, die optisch
diese Grenze symbolisieren.

Mit der Zeit ist es Normalität, an x-beliebigen Tagen auch mal auf dem offiziellen
Gebiet des Nachbarn zu spazieren. Der Nachbar akzeptiert das. Alles schön. Eines Tages
führt der Weg tiefer auf das Gebiet des Nachbarn und man findet einen Hain mit Obstbäumen.

Man kostet und der Geschmack ist einzigartig. In der Annahme beim nächsten Spaziergang nichts
mehr vorzufinden - erntet man ab und schleppt, was man Tragen kann, nach Hause.

In Sichtweite aber steht eine Bank. Man sieht dort den Nachbarn sitzen. Er schaut wortlos der
Ernte zu, in Gedanken verloren, obwohl er viele arbeitsreiche Stunden in die Pflege und
Bewässerung investiert hat. Es kommt kein Einwand - nichts.

Findest Du seine Reaktion normal?

Der dahinterstehende Aspekt ist die sogenannte Abgrenzung. Der Obstbauer grenzt sich nicht ab
und der Spaziergänger überschreitet seine eigenen Grenzen. Es gehört dazu, die eigenen Grenzen
auszuweiten - ja, aber nur soweit, dass Du die Grenzen des anderen respektierst und schon
garnicht Handlungen vollziehst, die nicht im gegenseitigen Einvernehmen liegen.

So - und nun Frage ich Dich - wie fühlst Du Dich als Obstbauer?

Natürlich musst Du berücksichtigen, dass Dein Freund als Pfleger von Haus aus unter einer besonderen
Anspannung in seiner täglichen Arbeit steht. Was ihn aber nicht berechtigt, mir Dir derart umzugehen.
Setz ihm ein P vor - wenn er Verständnis zeigt - ist es ein wahrer Freund. Wenn nicht - gibt´s bald die Flieger ;-)

Mein persönlicher Buchtip: Wenn Sätze wie - Bis hierher und nicht weiter - und - Wie Sie sich
zentrieren, Grenzen setzen und gut für sich sorgen - Dich ansprechen, dann suche mal nach Rolf.
Autor Rolf Sellin - erschienen bei Kösel. Es ist Heilpraktiker und schreibt heute Bücher in Berlin.

Du kriegst das hin.


Nachtrag:
Ich empfehle jedem HSP zu prüfen, ob er überdies eine Scanner-Persönlichkeit ist.
Es wäre schade, erst im Renteneintrittsalter darüber zu stolpern, dass HSP vielleicht nur die
halbe Miete ist.

Wenn Deine Lungen Joggen und Fussball ertragen, dann solltest Du Deine Klimmzüge lieber tauschen gegen
einen Gleitschirm-Pilotenschein. Es gibt Menschen, die sind beim Luftsport ihr Asthmaproblem losgeworden.
Da oben ist die Luft viel, viel besser. Im Rahmen eines Tandemflugs mal Höhenluft schnuppern. Ohne Risiko.
Eine ganze Batterie an Fliegerfreunden wirst Du kennenlernen. Von denen knufft Dich keiner ;-)
Ich kenne keine Flugschule, wo Du nicht auch mal einen Schnuppertag am Übungshang buchen kannst.
Wenn Du dazu noch Fragen hast - jederzeit.

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LG Buddha
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Re: Freund von mir triezt mich ständig

Beitragvon Airwood » Do 21. Mai 2020, 14:09

LGBuddha hat geschrieben:
Natürlich musst Du berücksichtigen, dass Dein Freund als Pfleger von Haus aus unter einer besonderen
Anspannung in seiner täglichen Arbeit steht. Was ihn aber nicht berechtigt, mir Dir derart umzugehen.
Setz ihm ein P vor - wenn er Verständnis zeigt - ist es ein wahrer Freund. Wenn nicht - gibt´s bald die Flieger ;-)

Bevor ich DesdiNova antworte, habe ich eine kleine Verständnisfrage:

Was bedeutet "ein P vorsetzen"? Diese Wendung habe ich gerade vor ein paar Tagen, ein Phooka wie Mein Freund Harvey oder so (?) im alten HSP-Treff zum ersten Mal gelesen. Dort steht:

Als Admin hat man dann keine Nutzer mehr an Bord, die eine mentale Fehlernährung verursachen.
Der digitalen Vermüllung des Internets ist auch ein P vorgesetzt.


P=Stopp???

Bitte um Aufklärung. :D

Ich mußte jetzt mal den Usernick hier entfernen, das geht leider nicht, dass wir User aus anderen Foren zitieren und wenn, dann sollte es mindestens anonym getan werden. Admin
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Re: Freund von mir triezt mich ständig

Beitragvon DesdiNova » Do 21. Mai 2020, 14:29

Hi LGBuddha,

danke für deine Antwort.

LGBuddha hat geschrieben:Findest Du seine Reaktion normal?

Der dahinterstehende Aspekt ist die sogenannte Abgrenzung. Der Obstbauer grenzt sich nicht ab
und der Spaziergänger überschreitet seine eigenen Grenzen. Es gehört dazu, die eigenen Grenzen
auszuweiten - ja, aber nur soweit, dass Du die Grenzen des anderen respektierst und schon
garnicht Handlungen vollziehst, die nicht im gegenseitigen Einvernehmen liegen.


Anders als der Obstbauer in deiner Analogie habe ich allerdings eben nicht wortlos zugesehen. Zumal ich es auch nicht angebracht oder normal unter Freunden finde "die eigenen Grenzen auszuweiten".

Ich habe zunächst mit Worten deutlich gemacht, dass er es lassen soll und dann habe ich ihm mehrmals auch physisch kontra gegeben. Vor allem bei dem einen Schlag auf die Schulter ist die Message zunächst mal bei ihm angekommen, auch wenn er sich nicht viel hat anmerken lassen, konnte ich ihm ansehen, dass der Schlag gesessen hatte und es in ihm arbeitete. Umso enttäuschender, dass er etwas später wieder anfing, mich zu triezen.

Jetzt will ich so ein Verhalten aber gar nicht ausüben müssen. Wenn ich ihn also darauf anspreche (ich sagte z.B. "Ich bin dich nicht besuchen gekommen, um verprügelt zu werden.") und auch physisch meine Grenzen verteidige, und das dann immer noch nicht fruchtet, welche Möglichkeiten habe ich dann noch?

Im Grunde kann ich die Freundschaft dann nur beenden, was nach so vielen Jahren echt deprimierend wäre. :(

Gelegentlich hatte ich bei diesem Besuch auch das Gefühl gehabt, dass er möglicherweise neidisch auf mich ist, in einigen Belangen. Er hat jedenfalls immer wieder Anspielungen gemacht und versuchte vieles an mir schlechtzureden, oft so halb-spaßig, aber doch irgendwie ernst.

Er zieht mich z.B. auch gerne damit auf, dass ich etwas Übergewicht habe. Jetzt wo ich schon ein paar Kilos runterhabe und auch konditionell gar nicht so schlecht da stand, meinte er trotzdem mich beim Wandern wegen meiner Leistung zu triezen.

Dabei grenzte das schon an Realitätsverlust, weil er als starker Raucher ständig keuchend und hustend innehalten musste und wir wegen ihm langsamer gehen mussten, während ich kein bisschen außer Atem war. Und für mich ist die Rücksichtsnahme auf den jeweilig Langsameren auch selbstverständlich, ihn schien es hingegen ziemlich zu wurmen, dass er diesmal der Langsamere war.
Auch das habe ich ihm dann zwischendurch mal deutlich gesagt, aber irgendwie ist das gar nicht in seinem Kopf angekommen und ich durfte mir dieselben Sprüche immer wieder anhören, bis zu einem Punkt, wo es mir den Spaß am Urlaub genommen hat.

LGBuddha hat geschrieben:Mein persönlicher Buchtip: Wenn Sätze wie - Bis hierher und nicht weiter - und - Wie Sie sich
zentrieren, Grenzen setzen und gut für sich sorgen - Dich ansprechen, dann suche mal nach Rolf.
Autor Rolf Sellin - erschienen bei Kösel. Es ist Heilpraktiker und schreibt heute Bücher in Berlin.

Du kriegst das hin.


Ich habe schon das ein oder andere Ratgeber-Buch in meinem Bücherregal stehen. Deinen Tipp habe ich mir mal angeschaut, aber die Rezensionen der Leser wirken eher abschreckend auf mich. So wird von einem sexistischen Schreibstil berichtet, der auf Genderstereotypen beruht und es soll wohl auch eine gehörige Portion Esoterik mit im Buch sein. Probelesen könnte ich mir vorstellen, kostenpflichtig bestellen werde ich es aber unter diesen Umständen nicht.

Letztendlich führt das hier aber zu weit und da würde ich dich bitten, ein eigenes Thema aufzumachen, wenn du das Buch weiterbesprechen willst.

LGBuddha hat geschrieben:Wenn Deine Lungen Joggen und Fussball ertragen, dann solltest Du Deine Klimmzüge lieber tauschen gegen
einen Gleitschirm-Pilotenschein. Es gibt Menschen, die sind beim Luftsport ihr Asthmaproblem losgeworden.
Da oben ist die Luft viel, viel besser. Im Rahmen eines Tandemflugs mal Höhenluft schnuppern. Ohne Risiko.
Eine ganze Batterie an Fliegerfreunden wirst Du kennenlernen. Von denen knufft Dich keiner ;-)
Ich kenne keine Flugschule, wo Du nicht auch mal einen Schnuppertag am Übungshang buchen kannst.
Wenn Du dazu noch Fragen hast - jederzeit.

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Danke für den Tipp, ich habe allerdings gar kein Asthma und noch dazu lebe ich im Flachland ;)
Als Jugendlicher wollte ich gerne einen Tandem-Fallschirmsprung machen, das kostete aber so um die 300€ und da hatte ich es mir dann doch anders überlegt.

Freunde habe ich tatsächlich relativ viele und von denen "knufft" mich auch niemand, mit Ausnahme des hier beschriebenen Freundes.

LG DesdiNova
Zuletzt geändert von DesdiNova am Do 21. Mai 2020, 14:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Freund von mir triezt mich ständig

Beitragvon DesdiNova » Do 21. Mai 2020, 14:32

Airwood hat geschrieben:Bevor ich DesdiNova antworte, habe ich eine kleine Verständnisfrage:

Was bedeutet "ein P vorsetzen"?


Ich bin ehrlich, ich musste das auch recherchieren:
https://gfds.de/herkunft-und-bedeutung- ... schreiben/

Dort steht auch dabei, dass es eine sehr alte und sehr seltene Redewendung ist.

LG DesdiNova
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Re: Freund von mir triezt mich ständig

Beitragvon LGBuddha » Do 21. Mai 2020, 14:58

Der Hinweis mit Asthma sollte lediglich aussagen, dass es Personen gibt, die ihr Asthma loswurden. Ich habe schon Deine Beschwerden wahrgenommen. P vorsetzen im Sinne von Einhalt gebieten. Es gibt zu den meisten Büchern Leseproben. Abgrenzung ist das Thema. Dann such Dir einen a deren AutorIn. Flachland ist kein Hinderungsgrund - hier wird an der Winde geschult. Du solltest aber einen (Flug)arzt zu Rate ziehen. Du wirst hier im Norden aber kaum Flughöhen erreichen, wo die Luft zu dünn für Deine Lungen wird. Tandem-Gleitschirm liegt etwa bei 150 EUR. Thermikflug mehr, weil länger. Von Freundschaft aufkündigen war nie die Rede.
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Re: Freund von mir triezt mich ständig

Beitragvon Airwood » Do 21. Mai 2020, 20:43

DesdiNova hat geschrieben:Diesen Thread habe ich zum Einen eröffnet, um ein Ventil zu haben, so dass ich mir mal Luft machen kann. Zum Anderen würde ich mich über jeden Rat freuen, wie ich mit der Situation umgehen könnte.


Hi DesdiNova,
es ist natürlich niemals 1:1 vergleichbar, da der Leser ja nicht die gesamte Geschichte der Freundschaft kennt und man sie hier auch gar nicht im Detail komplett aufschreiben kann. Daher kann ich nur von mir ausgehend beschreiben, was ich tun würde.
Also: ich würde das jetzt ein wenig sacken lassen und den Freund darauf ansprechen, dann auch ihm etwas Zeit für eine Antwort lassen, falls nötig.
Nach dem Inhalt der Antwort zusammen mit den Geschehnissen würde ich beurteilen, ob ihm diese Freundschaft wichtig ist und ihr noch dieselben Werte vertretet. Nach meiner Erfahrung gehen echte Freunde auf die Bedürfnisse des Gegenübers ein, da man mit Freunden auch Meinungsverschiedenheiten und Konflikte austragen kann.
Grundsätzlich kann es sein, dass ihr euch, wenn ihr euch selten seht - oder unabhängig davon - unterschiedlich weiter entwickelt habt und er gar nicht merkt, wie sehr es dich stört, wenn du es im Nachhinein nicht nochmal direkt ansprichst. Dafür kann es auch wieder viele Gründe geben.

Wenn diese Sache mit dem vermuteten Neid wegen des Gewichts oder die eventuellen Anspielungen auf körperliche Gewalt sich häufen, würde ich es genauer beobachten und mich über Narzissmus informieren. Viele Narzissten oder Menschen mit starken narzisstischen Zügen zehren von unkonkreten Anspielungen und triggern. Echte Freunde freuen sich mit dir über Erfolge und sticheln nicht an deinen "Schwächen" oder "Wunden" herum. Narzissten hingegen machen genau das Gegenteil. Natürlich ist nicht jeder, der einmal solche Ausrutscher im Benehmen hat gleich ein krankhafter Narzisst, aber ich würde es genauer beobachten.

Zu diesen männlichen Körperlichkeiten fällt mir eine Menge aus Pädagogik und Soziologie ein, aber das sind lediglich allgemeine Ideen von männlichem Verhalten und weiß auch nicht, ob du eher auf eine allgemeinere Ebene hinaus möchtest und ob es auf deine Freund überhaupt zutreffen würde... Zu viele weibliche Erzieher in den Kitas; zu wenige männliche Grundschullehrer und Identifikationsfiguren allgemein; Raufereien unter Jungen werden von weiblichen Erzieherinnen eher als zu brutal angesehen; dann die Männer, die von zuhause aus als Kind keine körperliche Nähe bekommen haben; "Ein Indianer kennt keinen Schmerz"; zuviel körperliche Nähe unter Männern gilt als "schwul", außer auf dem Sportplatz, wo Emotionen gezeigt werden dürfen; usw. usf... Das alles wird dann im Erwachsenenalter möglicherweise irgendwie kompensiert usw..

Mir persönliche sind diese männlichen Körperlichkeiten eher ein Rätsel, auch wenn ich aus einem wissenschaftlichen Hintergrund darüber theoretisch etwas weiß und auch schon oft diese Dinge beobachten konnte und von anderen hörte.
Die Männer, die ich kenne, sind auch nicht so drauf, dass sie sich ständig "boxen" müssen. Möglicherweise hängt es mit dem geringen Interesse an Mannschaftssport zusammen oder aber dass sie vom Typ her auch eher introvertiert sind und eher andere Interessen haben. Die fallen sich eher weinend vor Glück in die Arme, wenn sie ein gutes Lied hören, tanzen und kramen alte Erinnerungen hervor, und zugleich haben sie vielleicht auch ein paar alkoholische Getränke intus. Aber auch ohne Alk.

Schön, dass es einige normale Männer gibt. :D
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Re: Freund von mir triezt mich ständig

Beitragvon DesdiNova » Do 21. Mai 2020, 23:29

Hallo Airwood,

vielen Dank für deinen Beitrag, das hat mir schon enorm weiter geholfen :!:

Airwood hat geschrieben:es ist natürlich niemals 1:1 vergleichbar, da der Leser ja nicht die gesamte Geschichte der Freundschaft kennt und man sie hier auch gar nicht im Detail komplett aufschreiben kann. Daher kann ich nur von mir ausgehend beschreiben, was ich tun würde.


Ja, es spielt so viel mit rein. Er ist wie gesagt mein damaliger Mitbewohner und wir haben über Jahre viel Zeit miteinander verbracht. Wir waren auch über die WG hinaus sehr häufig zusammen unterwegs, vom Einkaufen über den Sport bis hin zu Treffen mit gemeinsamen Freunden.

Airwood hat geschrieben:Also: ich würde das jetzt ein wenig sacken lassen und den Freund darauf ansprechen, dann auch ihm etwas Zeit für eine Antwort lassen, falls nötig.
Nach dem Inhalt der Antwort zusammen mit den Geschehnissen würde ich beurteilen, ob ihm diese Freundschaft wichtig ist und ihr noch dieselben Werte vertretet. Nach meiner Erfahrung gehen echte Freunde auf die Bedürfnisse des Gegenübers ein, da man mit Freunden auch Meinungsverschiedenheiten und Konflikte austragen kann.


Das ist wohl das Beste. Es hatte mich etwas runtergezogen, weil ich eine ganz andere Erwartungshaltung an die Zeit mit ihm hatte. Ich werde ihn dann wohl zum Gespräch bitten müssen und da mal ganz sachlich drüber reden müssen. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ihm die Freundschaft ziemlich wichtig ist, das sagt er mir auch immer wieder.
Ich unterscheide mich schon sehr von seinen anderen Freunden und er hat mir z.B. mal gesagt, dass er nur mit mir wirklich tiefergehende Gespräche führen kann. Auch bei diesem Besuch hat er mir die Tage zuvor ständig Nachrichten geschickt, wo er seine Vorfreude zum Ausdruck brachte. Wie passt das alles zusammen?

Airwood hat geschrieben:Grundsätzlich kann es sein, dass ihr euch, wenn ihr euch selten seht - oder unabhängig davon - unterschiedlich weiter entwickelt habt und er gar nicht merkt, wie sehr es dich stört, wenn du es im Nachhinein nicht nochmal direkt ansprichst. Dafür kann es auch wieder viele Gründe geben.


Ich habe zwar Andeutungen gemacht und bin sogar fast einen Abend früher nach Hause gefahren, wo er dann auch ziemlich überrascht war. Richtig konkret habe ich allerdings nicht mit ihm drüber gesprochen. Mich hat das auch einfach genervt in dem Moment, dass ich mich überhaupt mit sowas befassen muss.

Und wir haben uns definitiv ein klein wenig auseinander entwickelt. Wir wohnen halt 200km entfernt voneinander und ich bin jetzt seit 5 Jahren aus der WG raus. Da bleibt das wohl nicht aus.

Airwood hat geschrieben:Wenn diese Sache mit dem vermuteten Neid wegen des Gewichts oder die eventuellen Anspielungen auf körperliche Gewalt sich häufen, würde ich es genauer beobachten und mich über Narzissmus informieren. Viele Narzissten oder Menschen mit starken narzisstischen Zügen zehren von unkonkreten Anspielungen und triggern. Echte Freunde freuen sich mit dir über Erfolge und sticheln nicht an deinen "Schwächen" oder "Wunden" herum. Narzissten hingegen machen genau das Gegenteil. Natürlich ist nicht jeder, der einmal solche Ausrutscher im Benehmen hat gleich ein krankhafter Narzisst, aber ich würde es genauer beobachten.


Ich bin echt der letzte, der jemanden als Narzissten bezeichnet und kenne mich auch nicht so gut damit aus. Ich werde mich auf jeden Fall dahingehend mal informieren, du bist ja vom Fach und wirst diesen Verdacht sicher nicht grundlos in den Raum stellen. Sein Verhalten geht schon in die von dir beschriebene Richtung.

Das mit dem Gewicht war in der Hinsicht vielleicht auch nicht das beste Beispiel. Sagen wir mal so, dass war einer der wenigen Angriffspunkte, die ich zuletzt für ihn hatte, und dieser schwindet langsam. Ich fühle mich ein bisschen mies das so zu schreiben, aber er lebt teilweise schon in einer sehr kleinen, beschränkten Welt. Er drückt sich vor Verantwortung, er geht immer den Weg des geringsten Widerstands.

Dadurch ist er aber irgendwie in seiner Entwicklung stehen geblieben. So kann er z.B. überhaupt nicht mit Geld umgehen, obwohl er gar nicht so schlecht verdient. Anfang des Monats wird dann aus allen Rohren gefeuert und Ende des Monats ist er dann jedesmal bettelarm. Oder das Thema Autofahren. Er hat wohl einen Führerschein, aber er fährt seit Jahrzehnten kein Auto mehr, weil er es wohl nicht auf die Reihe bekommt, was ihm bei Nachfragen auch schonmal ziemlich unangenehm gewesen ist, so wie ich das mitbekommen habe.

Dann hat er ständig vermeidbaren Stress mit Behörden. So ist er ein paar Jahre ohne gültigen Ausweis unterwegs gewesen und bei einigen Kontrollen vor der Polizei geflüchtet, bis ich ihn davon überzeugt hatte, endlich zum Rathaus zu gehen und einen neuen Personalausweis zu beantragen (er ist deutscher Staatsbürger).

Es war halt in unserer 3er WG so, dass ich der Einzige war, der irgendwie Struktur reingebracht hatte. Ich hatte die Mülltrennung eingeführt (ist heute wieder Geschichte bei ihnen), habe als Einziger gesaugt und gewischt. In Absprache mit den anderen hatte ich auch einen Putzplan entworfen, aber nach wenigen Wochen waren alle guten Vorsätze schon wieder vergessen.

Seit meinem Auszug leben die beiden zusammen in einer 2er WG und der Zustand der Wohnung ist dauerhaft katastrophal. Sie machen wirklich nur das Nötigste (immerhin), so dass es zwar keine Messiewohnung ist, aber trotzdem echt schauderhaft. Bei sowas gehen die Meinungen natürlich enorm auseinander und ich will auch keinen wegen sowas verurteilen. Aber ich bin schon froh, meine eigenen vier Wände zu haben und da meine Vorstellung von Sauberkeit zu realisieren, ohne von anderen abhängig zu sein.

Der Zustand der Wohnung versinnbildlicht für mich ein klein wenig die Einstellung von meinem Freund.

Airwood hat geschrieben:Zu diesen männlichen Körperlichkeiten fällt mir eine Menge aus Pädagogik und Soziologie ein, aber das sind lediglich allgemeine Ideen von männlichem Verhalten und weiß auch nicht, ob du eher auf eine allgemeinere Ebene hinaus möchtest und ob es auf deine Freund überhaupt zutreffen würde... Zu viele weibliche Erzieher in den Kitas; zu wenige männliche Grundschullehrer und Identifikationsfiguren allgemein; Raufereien unter Jungen werden von weiblichen Erzieherinnen eher als zu brutal angesehen; dann die Männer, die von zuhause aus als Kind keine körperliche Nähe bekommen haben; "Ein Indianer kennt keinen Schmerz"; zuviel körperliche Nähe unter Männern gilt als "schwul", außer auf dem Sportplatz, wo Emotionen gezeigt werden dürfen; usw. usf... Das alles wird dann im Erwachsenenalter möglicherweise irgendwie kompensiert usw..

Mir persönliche sind diese männlichen Körperlichkeiten eher ein Rätsel, auch wenn ich aus einem wissenschaftlichen Hintergrund darüber theoretisch etwas weiß und auch schon oft diese Dinge beobachten konnte und von anderen hörte.
Die Männer, die ich kenne, sind auch nicht so drauf, dass sie sich ständig "boxen" müssen. Möglicherweise hängt es mit dem geringen Interesse an Mannschaftssport zusammen oder aber dass sie vom Typ her auch eher introvertiert sind und eher andere Interessen haben. Die fallen sich eher weinend vor Glück in die Arme, wenn sie ein gutes Lied hören, tanzen und kramen alte Erinnerungen hervor, und zugleich haben sie vielleicht auch ein paar alkoholische Getränke intus. Aber auch ohne Alk.


Das ist natürlich ein Riesenthema und auch sehr interessant. Auch für mich als Mann spielt das eine Rolle, gerade weil ich auch eine sehr sensible Seite habe. Allerdings werde ich auch als ausgesprochen männlich wahrgenommen, Ex-Partnerinnen haben in mir den Beschützer-Typ gesehen. Ich glaub es ist nicht nötig da weiter ins Detail zu gehen, kann sich glaub ich jeder was drunter vorstellen. Unterm Strich bin ich ein Mann mit vielen Facetten und ich habe es auch nicht nötig, mich als besonders männlich dazustellen. Für mich ist das einfach kein Thema in meinem Leben, auch bei anderen nicht. Ich nehme die Menschen einfach so an, wie sie sind, und ich nehme auch mich selbst an, so wie ich bin.

Vielleicht ist es ja auch das, was ihn triggert, dass er da strenge Vorstellungen im Kopf hat, wie ein Mann zu sein hat und meine Lockerheit zu sehen, stört ihn vielleicht unterbewusst. Oder es stört ihn, dass ich ohne großes Engagement als männlich wahrgenommen werde, und er da vielleicht mehr investieren muss (?). Das sind jetzt nicht mehr als wilde Theorien.

Jetzt wo ich darüber nachdenke, von meinen männlichen Freunden sind einige in dieser Hinsicht so entspannt drauf wie ich, aber es gibt noch den ein oder anderen, der auch gerne bewertet und eher "kämpfen" will, als sich auszutauschen. Vielleicht ist das doch so ein Männer-Ding, und ich selbst bin davon nicht betroffen :|

LG DesdiNova
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Re: Freund von mir triezt mich ständig

Beitragvon Claudia » Fr 22. Mai 2020, 00:11

Hallo DesdiNova!

Hier wurde ja schon viel beigetragen zu Deinem Thema, von daher werde ich jetzt nichts Neues beitragen können.

Aber grob gesagt würde ich es schon so sehen, dass Ihr Euch auseinander entwickelt habt. Das ist auch nicht weiter schlimm. Er hängt da, wie Du schon schriebst, in seiner Blase, die ihm wohl nicht viel Raum gibt sich anders zu verhalten, außer man stößt ihn drauf. Und das wäre wohl wichtig es an Deiner Stelle zu tun. Viele Menschen sind nämlich wirklich nicht sonderlich sensibel und spüren was der andere von ihm will.

Das heißt, als Ihr Euch geknufft habt, hat er vielleicht sogar angenommen, dass Dir das "gefällt" und als Du abrücktest, hat er das vielleicht auch falsch interpretiert als "Spielfortsetzung". Jedenfalls schoß mir das beim Lesen durch den Kopf.

Aber Spekulationen helfen eben real nicht weiter und da gehört dann eine direkte Ansprache dazu und das ist auch nicht weiter schlimm. Kann aber nachvollziehen, dass Du das gerne umgehen würdest. Wie gesagt, er tickt da eben auch anders als Du.

Mit dem Thema Narzissmus würde ich Dir in Bezug auf Deinen Freund eher raten Abstand zu nehmen, sonst zerlegst Du Dich noch selbst und die Freundschaft. Viel Analyse von sich selbst oder anderen hilft in der Regel wenig.

Privat werde ich ja gerne mal als langmütiges Schaf bezeichnet und in Deinem Falle würde ich die Freundschaft auch sicher nicht wegwerfen!! Um zum Schaf zurückzukommen, weil ich darüber nachgedacht habe, ob das für mich eine gute oder schlechte Eigenschaft ist, habe ich für mich die Regel "Aller guten Dinge sind drei" auserkoren und das geht ganz gut. So haben mindestens beide Seiten genug Zeit das zu überdenken. Und schließlich möchte ich auch dem anderen zugestehen dürfen, dass Fehler nochmal passieren können und nicht direkt aus alter Gewohnheit verschwunden sind.

So, zu nachschlafender Zeit hier also mein "Senf". Halt die Ohren steif!
Herzliche Grüsse!
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Re: Freund von mir triezt mich ständig

Beitragvon LGBuddha » Fr 22. Mai 2020, 10:13

DesdiNova hat geschrieben:Ich bin echt der letzte, der jemanden als Narzissten bezeichnet und kenne mich auch nicht so gut damit aus.

Airwood hat den Narzissmus und seine krankhaften Seiten eingestreut, den ich gerne um den Begriff des gesunden Narzissmus erweitern möchte. Den gibt es nämlich auch. Und ohne ihn geht es auch nicht.
Ein Begriff, der noch nicht gefallen ist, ist die Selbstreflexion. Die Definition findest Du im Internet. In dieser sollte sich Dein Ex-WG-Bewohner beizeiten "wiederfinden".

Ein funktionierende Sandkasten-Freundschaft wird mit ganz anderen Belastungen fertig. Aufgrund der Neuausrichtung im Leben nach Schulabschluss - beruflicher Weggang nach dem Studium - Heirat/eigene Familie etc. lösen sich Freundschaften auch wieder auf. Gerade, wenn sie erst in der Schule oder Studium begannen. Das bringt das Leben und die Zeit manchmal mit sich.

Du hast geschrieben, die Kündigung der Freundschaft würde Dir nicht leicht fallen.
Eine weitere Möglichkeit, die man eher aus Paarbeziehungen kennt, ist die Trennung auf Zeit.
Auch eine Option, in der er erkennen könnte, dass Du ihm als Freund wichtig bist.

Tiefergehende Gespräche zwischen euch waren ja möglich. Deine früheren Gewalterfahrungen würde ich nicht erneut thematisieren. Die Verhaltensauffälligkeit ist bei ihm zu sehen.
Mitunter öffnet er sich Dir und Du erfährst den wahren Grund - eine neue Erkenntnis.
Eine, die über 200 km hinweg, zukünftig Eure wahre Freundschaft stärkt.
LGBuddha
 

Re: Freund von mir triezt mich ständig

Beitragvon Airwood » Fr 22. Mai 2020, 11:23

DesdiNova hat geschrieben:Das ist wohl das Beste. Es hatte mich etwas runtergezogen, weil ich eine ganz andere Erwartungshaltung an die Zeit mit ihm hatte. Ich werde ihn dann wohl zum Gespräch bitten müssen und da mal ganz sachlich drüber reden müssen. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ihm die Freundschaft ziemlich wichtig ist, das sagt er mir auch immer wieder.
Ich unterscheide mich schon sehr von seinen anderen Freunden und er hat mir z.B. mal gesagt, dass er nur mit mir wirklich tiefergehende Gespräche führen kann. Auch bei diesem Besuch hat er mir die Tage zuvor ständig Nachrichten geschickt, wo er seine Vorfreude zum Ausdruck brachte. Wie passt das alles zusammen?


Diese Fragen beschäftigen mich auch immer mal wieder. Es gibt so viele Gründe, warum sich jemand ambivalent verhält. Grundsätzlich sehe ich es auch wie Claudia, dass jeder eine oder mehrere Chancen verdient hat. Die Frage ist natürlich auch immer, wie viele Versuche man startet und wie weit es einen selbst belastet, wenn die eigenen Bedürfnisse auf Dauer zu kurz kommen, da die Freundschaft nicht auf Augenhöhe lebt und irgendwie unausgeglichen ist.
Problematisch fand ich hier immer die Energie, die ich hineingesteckt habe um etwas zu ändern oder dem Freund zu helfen. Ich war dann oft eher ausgelaugt als entspannt und wusste zunächst gar nicht, woher meine generelle innere Unruhe kommt und was das alles mit mir selbst zu tun hat.
Etwa mit Mitte 20 habe ich dann begonnen, möglichst klar Dinge anzusprechen und die Rückmeldungen von einigen Freunden waren dann eher ernüchternd, aber damit auch aussagekräftig, dass meine Intuition richtig lag und ich etwas ändern muss, damit es mir besser geht.


DesdiNova hat geschrieben:Ich habe zwar Andeutungen gemacht und bin sogar fast einen Abend früher nach Hause gefahren, wo er dann auch ziemlich überrascht war. Richtig konkret habe ich allerdings nicht mit ihm drüber gesprochen. Mich hat das auch einfach genervt in dem Moment, dass ich mich überhaupt mit sowas befassen muss.


Das hatte ich gestern gerade mit einer Nachbarin, die ich sehr mag, aber in der Kommunikation strenge ich mich offenbar mehr an und habe zudem eine Erwartung an sie, auf meine gegenwärtige Situation rücksichtsvoll einzugehen. Da sie in diesem Moment ganz anders als erwartet mit mir umging, hat es mich runtergezogen und auch etwas verärgert, so dass ich dann erst einmal aus der Situation gehen musste.

Oder auch bei der Arbeit: es gibt so viele vermeidbare Missverständnisse und Probleme, wenn alle mehr bzw. anders miteinander kommunizieren würden... Auch ein weites Feld.

DesdiNova hat geschrieben:Und wir haben uns definitiv ein klein wenig auseinander entwickelt. Wir wohnen halt 200km entfernt voneinander und ich bin jetzt seit 5 Jahren aus der WG raus. Da bleibt das wohl nicht aus.


Das kenne auch ich. Durch die beruflichen Wege und Umzüge ist mir später auch bewusst geworden, wie unterschiedlich sich Menschen entwickeln, und das finde ich soweit auch gar nicht schlimm. Andererseits konnte ich daran auch merken, dass mich manche Eigenheiten von Freunden noch mehr gestört haben. Daraus habe ich gelernt, mich mit Menschen zu umgeben, die besser zu mir passen.



DesdiNova hat geschrieben:Ich bin echt der letzte, der jemanden als Narzissten bezeichnet und kenne mich auch nicht so gut damit aus. Ich werde mich auf jeden Fall dahingehend mal informieren, du bist ja vom Fach und wirst diesen Verdacht sicher nicht grundlos in den Raum stellen. Sein Verhalten geht schon in die von dir beschriebene Richtung.

Claudia hat geschrieben:Mit dem Thema Narzissmus würde ich Dir in Bezug auf Deinen Freund eher raten Abstand zu nehmen, sonst zerlegst Du Dich noch selbst und die Freundschaft. Viel Analyse von sich selbst oder anderen hilft in der Regel wenig.

Privat werde ich ja gerne mal als langmütiges Schaf bezeichnet und in Deinem Falle würde ich die Freundschaft auch sicher nicht wegwerfen!! Um zum Schaf zurückzukommen, weil ich darüber nachgedacht habe, ob das für mich eine gute oder schlechte Eigenschaft ist, habe ich für mich die Regel "Aller guten Dinge sind drei" auserkoren und das geht ganz gut. So haben mindestens beide Seiten genug Zeit das zu überdenken. Und schließlich möchte ich auch dem anderen zugestehen dürfen, dass Fehler nochmal passieren können und nicht direkt aus alter Gewohnheit verschwunden sind.


Auch mir liegt es aus ethischen Gründen fern, irgendwelche Ferndiagnosen über Menschen und Freunde zu stellen, denn niemand möchte gerne "bewertet", "analysiert" oder in Schubladen gesteckt werden, denn da kann man sich in Menschen auch sehr täuschen und sie zu Unrecht falsch einschätzen und die Lockerheit im Umgang mit anderen geht verloren. Das meinte ich auch nicht so, sondern eher, mal genauer hinzusehen, wenn sich Dinge wiederholen und einen auslaugen, und vor allem, was das mit mir selbst zu tun hat, warum ich oft mit einem bestimmten Menschentyp zu tun hatte, der mir auf Dauer nicht gut tut und ich am Ende noch nicht einmal genau wusste, warum es mir schlecht geht. Insofern würde ich eine Beziehung lieber sehr genau prüfen oder "analysieren", denn es ist ein Kampf dafür und nicht dagegen, wenn man sich schon die Mühe macht und es einem sowieso schlaflose Nächte bereitet. Ich persönlich würde lieber von einer Freundschaft Abstand nehmen, oder sie auch "wegwerfen", wenn sie einseitig ist und ich immer nur geben soll. Bisher bin ich damit gut gefahren und eigentlich war ich diejenige, die "weggeworfen wurde", nachdem ich meine Bedürfnisse mal angesprochen habe und dann nichts mehr kam.
Abgrenzung und das "Be-Wertethema" ist unter HSP immer wieder ein Thema und ich frage mich schon länger, warum urteilen und werten solch heiße und auch moralisch aufgeladene Eisen sind, die am liebsten umgangen werden (?) Vermutlich hat es sehr viel mit der eigenen Person zu tun, vielleicht Ängste, dann kein "guter Mensch" mehr zu sein, so wie es einem vielleicht beigebracht wurde, Glaubenssätze usw. (?)

Mit der Angewandten Psychologie (Persönlichkeits- und Differentielle Psychologie) habe ich eigentlich nichts zu tun, ich interessiere mich eher aus den beschriebenen privaten Gründe dafür. Andere Fachgebiete sind eher mein Steckenpferd. Ich schreibe es hier, u.a. da diese ganzen Therapie- und Psychologiethemen auch sehr abschreckend wirken können.

DesdiNova hat geschrieben:Das mit dem Gewicht war in der Hinsicht vielleicht auch nicht das beste Beispiel. Sagen wir mal so, dass war einer der wenigen Angriffspunkte, die ich zuletzt für ihn hatte, und dieser schwindet langsam. Ich fühle mich ein bisschen mies das so zu schreiben, aber er lebt teilweise schon in einer sehr kleinen, beschränkten Welt. Er drückt sich vor Verantwortung, er geht immer den Weg des geringsten Widerstands.


Oh, auch das kenne ich. Viele liebe Leute aus meinem Bekannten- und Freundeskreis verteilen Verantwortung auf andere, leider auch sehr subtil und sicher auch unbewusst. Mittlerweile sind es weniger geworden, da wir uns tatsächlich auseinander gelebt haben und ich nicht mehr so viel Energie in einseitige Beziehungen stecke wie früher. Momentan gibt es einen aktuellen Fall eine Bekannten, der mit jemanden in einer WG lebt und mit 43 Jahren noch immer so unselbstständig ist wie mit Anfang 20, zudem sehr chaotisch, es aber immer wieder schafft. Alltägliche Dinge und Verantwortung auf andere abzuwälzen und gleichzeitig ein lieber sympathischer Mensch ist. Da fällt es sehr schwer, Grenzen zu setzen, vor allem, wenn er bestimmte Gesprächsthemen gar nicht nachvollziehen kann. Der eine Bewohner kommt nach einem 10-Stunden-Tag platt nach hause und bemuttert den WG-Partner danach noch und der liebenswerte Chaot klebt an ihm wie eine kleine Klette. Das würde hier jetzt den Rahmen sprengen und es gibt viele Parallelen zu dem, was du hier berichtest.

DesdiNova hat geschrieben:Das ist natürlich ein Riesenthema und auch sehr interessant. Auch für mich als Mann spielt das eine Rolle, gerade weil ich auch eine sehr sensible Seite habe. Allerdings werde ich auch als ausgesprochen männlich wahrgenommen, Ex-Partnerinnen haben in mir den Beschützer-Typ gesehen. Ich glaub es ist nicht nötig da weiter ins Detail zu gehen, kann sich glaub ich jeder was drunter vorstellen. Unterm Strich bin ich ein Mann mit vielen Facetten und ich habe es auch nicht nötig, mich als besonders männlich dazustellen. Für mich ist das einfach kein Thema in meinem Leben, auch bei anderen nicht. Ich nehme die Menschen einfach so an, wie sie sind, und ich nehme auch mich selbst an, so wie ich bin.

Vielleicht ist es ja auch das, was ihn triggert, dass er da strenge Vorstellungen im Kopf hat, wie ein Mann zu sein hat und meine Lockerheit zu sehen, stört ihn vielleicht unterbewusst. Oder es stört ihn, dass ich ohne großes Engagement als männlich wahrgenommen werde, und er da vielleicht mehr investieren muss (?). Das sind jetzt nicht mehr als wilde Theorien.

Jetzt wo ich darüber nachdenke, von meinen männlichen Freunden sind einige in dieser Hinsicht so entspannt drauf wie ich, aber es gibt noch den ein oder anderen, der auch gerne bewertet und eher "kämpfen" will, als sich auszutauschen. Vielleicht ist das doch so ein Männer-Ding, und ich selbst bin davon nicht betroffen 


Darüber habe ich auch schon nachgedacht, ein sehr weites Feld. Ich kenne auch mindestens 4 Männer, die diese "Konkurrenzkämpfe" sehr satt und schon in der Schule nicht verstanden haben.
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Re: Freund von mir triezt mich ständig

Beitragvon DesdiNova » Sa 23. Mai 2020, 00:14

Hi,

danke für Euren weiteren Input :)

Zwischenzeitlich haben der Freund und ich miteinander geschrieben. Dabei habe jetzt erstmal nichts erwähnt. Ich glaube nicht, dass er sich da Gedanken drum gemacht hat, vermutlich ist ihm das wirklich nicht so bewusst gewesen, wie sehr mich das gestört hat, oder er will das bewusst übergehen. Weil es war ja schon krass.

Ich werde das erstmal sacken lassen. Bis der nächste Besuch ansteht, wird noch viel Zeit ins Land gehen, so ein halbes bis ein ganzes Jahr mindestens. Und wenn ich ihn dann erneut besuchen sollte, dann in dem Wissen, dass ich es frühzeitig thematisieren werde, sollte er sich wieder so verhalten (wovon ich leider ausgehe) und wenn er das nicht ernst nimmt, dann bin ich halt weg und komme so schnell sicher nicht wieder.

Alternativ kann ich vor Ort auch bei einer Freundin übernachten, die ich ebenfalls von früher kenne und bei der ich bereits ein anderes Mal untergekommen bin. Dann könnte ich die Zeit mit dem Freund auf kurze Treffen/Unternehmungen begrenzen und man hängt dann nicht die ganze Zeit aufeinander. Und die Freundin haut mich auch nicht ;) So könnte ich weiterhin die Stadt und die Leute besuchen, ohne das Risiko einzugehen, dass sich die Situation in dem Ausmaß wiederholt.

Claudia hat geschrieben:Aber grob gesagt würde ich es schon so sehen, dass Ihr Euch auseinander entwickelt habt. Das ist auch nicht weiter schlimm. Er hängt da, wie Du schon schriebst, in seiner Blase, die ihm wohl nicht viel Raum gibt sich anders zu verhalten, außer man stößt ihn drauf. Und das wäre wohl wichtig es an Deiner Stelle zu tun. Viele Menschen sind nämlich wirklich nicht sonderlich sensibel und spüren was der andere von ihm will.

Das heißt, als Ihr Euch geknufft habt, hat er vielleicht sogar angenommen, dass Dir das "gefällt" und als Du abrücktest, hat er das vielleicht auch falsch interpretiert als "Spielfortsetzung". Jedenfalls schoß mir das beim Lesen durch den Kopf.

Aber Spekulationen helfen eben real nicht weiter und da gehört dann eine direkte Ansprache dazu und das ist auch nicht weiter schlimm. Kann aber nachvollziehen, dass Du das gerne umgehen würdest. Wie gesagt, er tickt da eben auch anders als Du.


Ja, ich würde das auch gerne glauben, aber das war sowas von penetrant, so unsensibel kann ja niemand sein. Vor allem wo wir am letzten Abend dann oben auf dem Berg auf der Wiese gesessen haben, hat er es nochmal richtig übertrieben und das ärgert mich immer noch massiv, wenn ich darüber nachdenke.
Ich sagte ihm ja deutlich, dass ich mit ihm Musik hören und mich unterhalten will. Und da hört er einfach nicht auf, bis ich mich sogar demonstrativ mehrere Meter von ihm wegsetzte und später aufstehen musste, womit die Gemütlichkeit dann auch ein Ende hatte. Wir waren eine gute halbe Stunde auf der Wiese, das ging also über einen längeren Zeitraum.

Er hat sich da auch total respektlos benommen, immer wenn ich ein Lied dran gemacht hatte (wir haben uns immer abgewechselt) und dieses ihm nicht bekannt war oder auf Anhieb gefiel, hat er laut drüber hinweg Geräusche gemacht, um mir den Spaß daran zu nehmen.

Als einziger Ausweg aus der Situation erschien mir tatsächlich, rohe Gewalt anzuwenden und ihn mir zu packen. Es hat für einen Moment in mir gekocht und als ich das spürte, hat mich das total runtergezogen, weil ich einfach keinen Bock auf Gewalt habe. Ich musste auch darüber nachdenken, dass gerade in so welchen Situationen gar nicht so selten schlimme Dinge passieren, wenn es dann eskaliert und unglückliche Umstände eintreten sollten.
Außerdem hätte ihn das vermutlich nur noch mehr angestachelt; ich hatte ja mittags mit dem Schlag auf seine Schulter versucht deutlich zu machen, dass er es besser lässt und ich auch heftig zurückschlage, wenn er mich weiter triezt.

Vielleicht ist mein Ärger in dem Maße nicht nachzuvollziehen, dazu sei gesagt, dass auch meine letzten beiden Urlaube von zwischenmenschlichen Konflikten getrübt wurden. Dabei waren es zwei (verschiedene) Dreiergruppen, mit denen ich im Urlaub war, und die jeweiligen beiden Begleiter hatten sich dann in die Haare gekriegt. Ich stand dann in der Mitte und musste die unangenehme Situation mitgestalten. Mich verfolgt das also ein bisschen und ich will doch nur in Ruhe Urlaub machen.

Claudia hat geschrieben:Mit dem Thema Narzissmus würde ich Dir in Bezug auf Deinen Freund eher raten Abstand zu nehmen, sonst zerlegst Du Dich noch selbst und die Freundschaft. Viel Analyse von sich selbst oder anderen hilft in der Regel wenig.


Airwood hat geschrieben:
Auch mir liegt es aus ethischen Gründen fern, irgendwelche Ferndiagnosen über Menschen und Freunde zu stellen, denn niemand möchte gerne "bewertet", "analysiert" oder in Schubladen gesteckt werden, denn da kann man sich in Menschen auch sehr täuschen und sie zu Unrecht falsch einschätzen und die Lockerheit im Umgang mit anderen geht verloren. Das meinte ich auch nicht so, sondern eher, mal genauer hinzusehen, wenn sich Dinge wiederholen und einen auslaugen, und vor allem, was das mit mir selbst zu tun hat, warum ich oft mit einem bestimmten Menschentyp zu tun hatte, der mir auf Dauer nicht gut tut und ich am Ende noch nicht einmal genau wusste, warum es mir schlecht geht. Insofern würde ich eine Beziehung lieber sehr genau prüfen oder "analysieren", denn es ist ein Kampf dafür und nicht dagegen, wenn man sich schon die Mühe macht und es einem sowieso schlaflose Nächte bereitet. Ich persönlich würde lieber von einer Freundschaft Abstand nehmen, oder sie auch "wegwerfen", wenn sie einseitig ist und ich immer nur geben soll.


Nun bin ich nicht vom Fach und kann da sicher keine Diagnose stellen. Ich denke trotzdem, Narzissmus in Form einer Persönlichkeitsstörung ist bei ihm nicht gegeben. Narzistische Züge hat er aber möglicherweise schon. Er scheint das ja irgendwie zu brauchen, sich als den Besten dazustellen und mich dafür runterzumachen. Ich habe gelesen, dass man einem Narzissten (wenn man sich mit ihm gut stellen will) dann gar nicht genug bestätigen kann.
Und ich habe seine ganzen Gesuche nach Bestätigung mehr oder weniger ignoriert und das hat ihn vielleicht zu immer stärkeren Mitteln greifen lassen um Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich selbst brauche das auch nicht, ich habe ein gesundes Selbstbewusstsein und benötige nicht die ständige Bestätigung meines Umfeldes. Von daher kann ich diese Seite von ihm wohl nicht so gut verstehen.

Claudia hat geschrieben:Privat werde ich ja gerne mal als langmütiges Schaf bezeichnet und in Deinem Falle würde ich die Freundschaft auch sicher nicht wegwerfen!! Um zum Schaf zurückzukommen, weil ich darüber nachgedacht habe, ob das für mich eine gute oder schlechte Eigenschaft ist, habe ich für mich die Regel "Aller guten Dinge sind drei" auserkoren und das geht ganz gut. So haben mindestens beide Seiten genug Zeit das zu überdenken. Und schließlich möchte ich auch dem anderen zugestehen dürfen, dass Fehler nochmal passieren können und nicht direkt aus alter Gewohnheit verschwunden sind.


Im Grunde bin ich ein sehr gutmütiger Typ, und ich werde diese Freundschaft zu diesem Zeitpunkt nicht leichtfertig beenden. Wenn überhaupt würde ich sie eher ausschleichen lassen. Es ist aber schon so, dass man als gutmütiger Typ im Leben immer wieder ausgenutzt wird und wenn ich so ein Verhalten bei jemanden feststelle, dann höre ich auch auf nett zu sein.
Ich habe im Leben lernen müssen, anderen auch mal die Stirn zu bieten. Ich finds einfach traurig, dass ein langjähriger Freund mich unerwartet in so eine Situation bringt.

Airwood hat geschrieben:Abgrenzung und das "Be-Wertethema" ist unter HSP immer wieder ein Thema und ich frage mich schon länger, warum urteilen und werten solch heiße und auch moralisch aufgeladene Eisen sind, die am liebsten umgangen werden (?) Vermutlich hat es sehr viel mit der eigenen Person zu tun, vielleicht Ängste, dann kein "guter Mensch" mehr zu sein, so wie es einem vielleicht beigebracht wurde, Glaubenssätze usw. (?)


Das geht vermutlich etwas über das Thema hier hinaus, aber ich möchte kurz dazu sagen, dass mir das auch schon aufgefallen ist. Und zwar in der Form, dass gegen alle möglichen Dinge ausgeteilt werden darf (vorzugsweise Dinge, die in einem HS-Forum keine bzw. kaum eine Lobby haben); wird das dann mal hinterfragt heißt es schnell, man verhalte sich übergriffig etc..

Airwood hat geschrieben:Das kenne auch ich. Durch die beruflichen Wege und Umzüge ist mir später auch bewusst geworden, wie unterschiedlich sich Menschen entwickeln, und das finde ich soweit auch gar nicht schlimm. Andererseits konnte ich daran auch merken, dass mich manche Eigenheiten von Freunden noch mehr gestört haben. Daraus habe ich gelernt, mich mit Menschen zu umgeben, die besser zu mir passen.


Das kann ich bestätigen. In vielen Dingen passt es mit diesem Freund total super. Und ich lasse Menschen auch so wie sie sind, solange mich das nicht persönlich tangiert. So habe ich kein Wort über den Zustand ihrer Wohnung verloren, die wohl komplett saniert werden muss, wenn sie ausziehen :roll: . Wenn ich jetzt noch mit ihnen wohnen würde, würde mich das persönlich betreffen und dann würde ich da definitiv in Aktion treten; für einen Besuch von wenigen Tagen ist mir das hingegen relativ egal und nicht mein Bier.

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Re: Freund von mir triezt mich ständig

Beitragvon Claudia » Sa 23. Mai 2020, 11:45

Hallo nochmal!

Nichts tut einem besser als eine Entscheidung zu treffen und für sich einzustehen!

Was fürchtest du denn, wenn Du Deinem Freund die Meinung sagst? Momentan bastelst Du viel an "Fluchtwegen", die ja eigentlich Energieverschwendung sind.

Es ist nicht gut, wenn Wut in Dir so lange gährt.
Herzliche Grüsse!
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Re: Freund von mir triezt mich ständig

Beitragvon DesdiNova » Sa 23. Mai 2020, 12:07

Hi Claudia,

danke für deine weitere Wortmeldung.

Claudia hat geschrieben:Nichts tut einem besser als eine Entscheidung zu treffen und für sich einzustehen!

Was fürchtest du denn, wenn Du Deinem Freund die Meinung sagst? Momentan bastelst Du viel an "Fluchtwegen", die ja eigentlich Energieverschwendung sind.


Furcht ist meines Dafürhaltens nicht der passende Begriff, aber ich glaube so ein Gespräch führt keiner gerne. Nur gibt es momentan gar keine Möglichkeit dieses Gespräch in einem passenden Rahmen (für mich von Angesicht zu Angesicht) zu führen, da ich wieder in meiner Stadt bin und weit entfernt von ihm. Darüber hinaus dürfte die Wirkung verfliegen, wenn ich jetzt mit ihm telefoniere und dann erst in einem Jahr wieder bei ihm bin.

Beim nächsten Mal stattdessen bei der Freundin unterzukommen, ist das unbedingt ein Fluchtweg? Sie wäre sowieso mal wieder an der Reihe und würde sich bestimmt sehr über einen Besuch von mir freuen. Der Hintergedanke ist, wenn ich mich dann zwischendurch mit dem Freund treffe und er sich wieder daneben benimmt, kann ich nach einem erfolgten Gespräch noch zu der Freundin zurück und stehe nicht in einer fremden Stadt im Regen, sollte das Gespräch eine negative Wendung nehmen.

Claudia hat geschrieben:Es ist nicht gut, wenn Wut in Dir so lange gährt.


Die Wut ist inzwischen verflogen und hat sich in Enttäuschung verwandelt. Ich wüsste auch nicht, wie er das wieder gut machen kann. Eine Entschuldigung würde mir jedenfalls nicht reichen, dafür hat er es einfach zu weit getrieben, trotz meiner deutlichen Einwände und Signale, dass ich das nicht gutheiße.

Es ist allerdings nicht so, dass meine Gedanken davon dominiert werden. Ich habe ja das Glück viele gute Freunde zu haben und so kommt heute Abend z.B. ein befreundetes Pärchen zu Besuch. Bei den beiden gibt es so ein Verhalten Gott sei Dank nicht.
Und auch in meinem Arbeits- und Familienumfeld verhält sich niemand so. Wobei man da natürlich mit manchen besser oder schlechter zurückkommt. Eine Arbeitskollegin ist in der Tat auch manchmal unbedacht mit ihren Worten, aber nicht nur mir gegennüber und sie ist auch die Ausnahme.

Der Kontakt mit diesen "normalen" Leuten in den letzten Tagen hat mich soweit schon wieder aufgebaut.

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Re: Freund von mir triezt mich ständig

Beitragvon Claudia » So 24. Mai 2020, 16:06

Hallo DesiNova!
DesdiNova hat geschrieben: Der Hintergedanke ist, wenn ich mich dann zwischendurch mit dem Freund treffe und er sich wieder daneben benimmt, kann ich nach einem erfolgten Gespräch noch zu der Freundin zurück und stehe nicht in einer fremden Stadt im Regen, sollte das Gespräch eine negative Wendung nehmen.
Ich finde, das ist wirklich eine klassische Flucht und irgendwo auch ein "Benutzen" Deiner Freundin. Aber das ist auch nicht in Stein gemeißelt und empfinde ich nur gerade so.
Ich wüsste auch nicht, wie er das wieder gut machen kann. Eine Entschuldigung würde mir jedenfalls nicht reichen, dafür hat er es einfach zu weit getrieben, trotz meiner deutlichen Einwände und Signale, dass ich das nicht gutheiße.
Ist das nicht schon der Anfang vom Ende der Freundschaft?
Herzliche Grüsse!
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