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Unterstellte Gefühle mit Schwarz-Weiß-Denken

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Unterstellte Gefühle mit Schwarz-Weiß-Denken

Beitragvon Airwood » Mo 10. Aug 2020, 10:14

Immer wieder wundere ich mich über Schwarz-Weiß-Denken und dass es für manche Menschen scheinbar keinen Mittelweg zu geben scheint, sowohl beim Denken als auch bei inneren Einstellungen und Handlungen. M.E. ist das einfach mangelnde Empathie verbunden mit mangelnder Lebenserfahrung oder auch ein Ergebnis dessen, was von engsten negativ eingestellten Bezugspersonen vorgelebt wurde.

Dazu einmal praktische Beispiele: Schon immer finde ich laute, schnelle und protzige Autos doof und manchmal auch störend. Der Typ Mann in diesen Karren war auch noch nie interessant für mich. Frauen, die auf solche Männer stehen, finde ich i.d.R. langweilig bis abhängig. Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel, nicht alle sind so, aber nach meiner Wahrnehmung überwiegt die beschriebene Gattung.

Wenn man nun im Gespräch nebenbei erwähnt, dass einen diese Autos nicht interessieren oder sogar Ablehnung kommuniziert, unterstellen manche sofort Neid – so als wolle ich auch so sein und ein solches Auto besitzen, obwohl man einfach nur seine wahre Einstellung sagt. Sie können sich offenbar nicht vorstellen, dass es daneben noch viele weitere (positive) Gründe gibt, warum man solche Autos/Insassen ablehnt oder einen schlicht nicht interessieren.

Einige Zeit habe ich übergangsweise in der Produktion gearbeitet. Auch hier gibt es natürlich einige vernünftige Menschen, an die sich man dann hält. Aber auch hier wurden oft negative "Gefühle" und Haltungen unterstellt. So war es oft, dass schnell gesagt wurde, der oder diejenige halte sich für "was Besseres", sobald sich herausstellte, wenn jemand inhaltlich mehr Argumente hatte, einen höheren Abschluss oder einfach nur “anders” war. Vorgesetzten- und Akademikerbashing gehörte zur Tagesordnung, selbst dann, wenn die Vorgesetzten freundlich und zuvorkommend waren.

Arbeiten unter vielen Frauen war für mich auch irgendwann immer problematisch (in bestimmten berufl. Bereichen), da die meisten Frauen nicht offen kommunizierten, sondern fast alles über eine (manipulative) Gefühlsebene sowie sehr viel mit ausdrucksstarker Mimik oder Stimmbetonung gearbeitet wurde anstatt mit klaren inhaltlichen Botschaften. Selbst die jüngere Generation Frau scheint es so gelernt zu haben, dass frau indirekt über die Gefühlsebene kommuniziert und schlimmstenfalls sogar - immer NEGATIVE! :mrgreen: - Gefühle in andere Menschen hineininterpretiert, indem scheinbar von sich selbst ausgegangen wird (Projektion?) und dann gänzlich daneben liegt, da sie sich offensichtlich nicht vorstellen können, dass es noch andere Reaktionen gibt als die, die sie selbst von sich kennen und gelernt haben. So weit, so gut, so alltäglich und selbstverständlich kann man damit umgehen oder man lernt es.

Der eigentliche Clou bei diesen Beobachtungen ist für mich, dass es sich ausschließlich um Unterstellungen negativer Gefühle handelt und dass sich die Untersteller selbst als besonders empathisch, sensibel, intuitiv und menschenkennend einschätzen (und gerne auf ihr Alter oder Lebenserfahrung in Abhängigkeit vom Alter hinweisen), obwohl so viel Schwarz-Weiß-Ansicht dahinter steckt und man es an kleinen Ausdrücken in ihrer Sprache bereits merkt, dass man diese Menschen besser meidet, da ihre Kommunikationsart immer ein Geschmäckle von Übergriffigkeit, Manipulation und Reaktionserpressung beim Gegenüber in sich trägt. Glück hat man dann wohl, dass man hochsensibel ist und diese Kommunikationsstrategien schnell erkennen kann (und aufbricht oder meidet).
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Re: Unterstellte Gefühle mit Schwarz-Weiß-Denken

Beitragvon Doro » Mo 10. Aug 2020, 16:28

Interessantes Thema. Wobei ich mir, ehrlich gesagt, nicht richtig im Klaren bin, ob ich nicht auch (vielleicht aufgrund meines Alters = Lebenserfahrung) auch so eine Schwarz-Weiß-Denkerin bin. :shy:

Aber deine Beispiele haben Erinnerungen aus meiner Vergangenheit geweckt:

Ich habe auch nie auf "dicke" Autos gestanden. Wenn ich einen Mann kennen lernte, und der fuhr einen Kleinwagen, hat mich das mehr beeindruckt, als wenn es ein großer Schlitten war. Mittelklasse ging dann auch noch. Allerdings hatte ich in meine dreizigern einen guten Kumpel, der zwar nicht reich war, aber sich mal für kleines Geld einen alten Mercedes Cabrio gekauft hatte, und in stundenlanger Arbeit hergerichtet hat. Irgend wann war es dann ein Oldtimer. Einmal hat er mich mit dem Wagen abgeholt. Oh je. Ich habe mich im auto so klein wie möglich gemacht, und gehofft, dass ich nicht gesehen werde. :mrgreen:

Nur Frauen auf der Arbeit ist für mich auch schlimm. Aber dann hatte ich mal einen Bürojob im Baugewerbe. Neben mir nur Männer. War wirklich tolles arbeiten.

Nochmal zu Autos: Ich habe immer nur Kleinwagen gefahren. Einmal hatte ich einen Seat Marbella. Da wurde mir gesagt:"Das ist doch kein Auto." Pöh, ich war in meiner damaligen Situation stolz, dass ich mir überhaupt ein Auto leisten konnte.

Ich weiß nicht, ob ich schon immer so war, aber, im Gegensatz zu vielen anderen Menschen, kann ich schon lange gut eingestehen, wenn ich von etwas keine Ahnung habe. Manche Menschen reden ja überall mit, und tun so, als wären sie allwissend. Auch sage ich von mir, dass ich keine gute Menschenkenntnis habe. Wenn ich neue Menschen kennen lerne (egal ob männlich oder weiblich) lasse ich mich zuerst von fröhlicher und sehr freundlicher Art "blenden". In meinem ganzen Leben habe ich allerdings nur Menschen kennen gelernt, die von sich behaupten, dass sie eine gute Menschenkenntnis haben.

So, dass war jetzt weniger etwas zum Schwarz-Weiß-Denken, sondern eher etwas zu deinem Text.
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Re: Unterstellte Gefühle mit Schwarz-Weiß-Denken

Beitragvon Golbin » Di 11. Aug 2020, 21:20

Hallo Airwood und Doro,

die lieben Unterstellungen... sie sind nicht nur für Frauen lästig bis verletzend. Das gilt auch für mich als Mann. Das Beispiel mit dem großen Auto kenne ich nur Genüge, weil ich kein großes Auto benötige. Ich habe ein für mich geeignetes Mitteklassefahrzeug. Das bringt mich sicher von A nach B und mehr erwarte ich von einem Auto nicht. Es mag ja sein, dass manche Frauen darauf abfahren. Ich werde nie feststellen, ob die zu mir gepasst hätten. Ich habe eine liebevolle Frau - ich bin 33 Jahre verheiratet - auch ohne großes Auto gefunden.

Aber das Motiv mit dem Neid kenne ich von früher. Inzwischen habe ich gelenrt, mit solchen Unterstellungen umzugehen. Wenn sie in irgendeiner Form ausgesprochen werden, hilft nach meiner Erfahrung einfach die Reflexion: "Wie kommst du zu der Annahme, dass ich neidisch bin?" Viele Menschen merken bei einer solchen Frage erst, dass sie eine ANnahme getroffen habe.

Ein zweiter Weg ist Toleranz. Ich lassen manche Menschen ihren Glauben. Oft habe ich nichts davon, sie zu korrigieren. Vielleicht gibt es ihnen innere Zufriedenheit, vielleicht fühlen sie sich wohl, wenn sie sich mit mir vergleichen und feststellen, ich armer Schlucker habe kein großes Auto. Inziwschen tun mir solche Menschen eher leid als dass sie mich ärgern.

Ein dritter Weg ist die eine Freude. Ich habe in meinem Leben gelernt, sehr viel positiv zu sehen. Ich zeige das, ich sage das. Menschen, die mehr negativ denken, mögen das nicht gern, weil sie dann schwer jammern können und kein Mitleid spüren. Sie ziehen sich von selbst zurück. Hingegen sind die Menschen, die ähnlich denken, darüber erfreut. Sie bleiben mir nahe. Als Folge habe ich im Leben viele positiv denkende Menschen und nur sehr wenige negative. Mir gefällt das, weil ich mich in der Umgebgung von positiv denkenden Menschen wohler fühle.

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